Aktuelles
Suchtprävention
Jahresfachtagung der BAG Sucht in BW

Teilnehmer BAG-Tagung 2019
BAG Sucht steht für ‚Bundesarbeitsgemeinschaft Sucht, Sucht- und Sozialberatung in der Polizei‘. Seit 1990 besteht der bundesweite Arbeitskreis innerhalb der Polizei. In dieser unabhängigen Interessengemeinschaft sind vor allem Kolleginnen und Kollegen der betrieblichen Suchtkrankenhilfe tätig, aber auch Fachleute verschiedener wissenschaftlicher Richtungen (Medizin, Pädagogik, Psychologie, Sozialarbeit) zählen neben Polizeibeschäftigten aus Bund und Ländern zu den Mitgliedern.
Jährliche Fachtagungen in verschiedenen Bundesländern spiegeln die Ziele der BAG wieder:
- Unterstützung und Koordinierung der jeweiligen Länderinitiativen
- Fachliche Beratung der Länder bei der Entwicklung der betrieblichen Suchtkrankenhilfe und Entwurf von Dienstvereinbarungen
- Bildungsarbeit der Kollegen vor Ort
- Kontakte zu politischen Organen und Behörden
- Öffentlichkeitsarbeit
- Kontakt zu Beratungsstellen, Fachkliniken und Haupt- und Landesstellen für Suchtfragen
Im März 2001 wurden die Initiativen der BAG Sucht vom Unterausschuss Recht und Verwaltung des AK II der ständigen Konferenz der Innenminister und –senatoren der Länder als bedeutsame Beiträge zur politischen Arbeit anerkannt. Die BAG Sucht steht damit den Ländern offiziell als kompetenter Berater zur Verfügung.
Die BAG ist im fachlichen Netzwerk „Sucht am Arbeitsplatz“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. verankert.
Die diesjährige BAG-Tagung fand in Baden-Württemberg, im Kurort Bad Schussenried, im Humboldt-Institut, vom 08. bis 12. September, statt. Das Motto der Veranstaltung lautete: „Suchtarbeit: aus der Praxis – für die Praxis“.
Die Schirmherrschaft übernahm stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, Thomas Strobl.
Dieter Senges, Vorsitzender der BAG Sucht, begrüßte zu Beginn die Gäste und übergab dann das Wort zur feierlichen Eröffnung an den Landespolizeipräsidenten Gerhard Klotter.
Gerhard Klotter, der seine berufliche Laufbahn im Polizeiberuf begann, betonte, wie wichtig es sei, die Beschäftigten der Polizei bei dem Themenfeld Sucht nicht alleine zu lassen. Sucht ist eine Krankheit mit vielen Facetten.
Gerade in der Zeit der Digitalisierung und im Umgang mit modernen Medien kommen immer wieder völlig neue Aspekte hinzu, die eine fortwährende Fortbildung unumgänglich machen.
Das Saxophonquartett des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg, unter der Leitung von Andreas Feifer, umrahmte musikalisch dabei das Programm.
Der Bürgermeister von Bad Schussenried, Achim Deinet, freute sich über die zahlreichen, aus der ganzen Bundesrepublik angereisten Gäste.
Aus Baden-Württemberg nahmen insgesamt fünfzehn ‚Suchtkrankenhelfer‘ gemeinsam mit dem Polizeiseelsorger Georg Hug teil. Ein Vertreter der Bundespolizei vom Standort Böblingen, Roland Selbmann und ein pensionierter Kollege vom Polizeipräsidium Stuttgart, Norbert Weis, sowie die Verwaltungsleiterin und Leiterin vom Referat Personal vom Polizeipräsidium Karlsruhe, Sandra Zarges, waren mit dabei.
Das Team aus Baden-Württemberg reiste mit Susanne Klingler, der Landesvertreterin der Bundesarbeitsgemeinschaft, Stefanie Trapp, Dieter Streng und Diana Häbich, alle vom Polizeipräsidium Stuttgart an. Zudem kamen Uli Müller und Michael Kirsch (PP Einsatz), Daniel Dörr (PP Aalen), Diane Deninger-Aichele (PP Freiburg), Norbert Burkert (PP Heilbronn), Manuela Bohlender und Anja Hilß (PP Karlsruhe), Jochen Schmidt und Reiner Keller (PP Ludwigsburg), Angelika Welle (PP Mannheim) und Reiner Lindenmayer (PP Ulm) zur Veranstaltung.
Frau Dr. med. Heike Hinz, Chefärztin und Leiterin der Median-Kliniken Richelsdorf und Wigbertshöhe in Hessen, hielt ein Impulsreferat über die Co-Abhängigkeit. Sie zeigte eindrücklich am Beispiel von ‚Erika‘ und ‚Kai-Uwe‘ auf, welche Auswirkungen eine Sucht, nicht nur auf den Abhängigen selbst, sondern auch auf sein gesamtes Umfeld haben kann. Sie forderte deshalb dazu auf, Zivilcourage zu zeigen, auch als Kollegin / Kollege, denn durch Unterlassen wird nicht nur die Sucht als Krankheit verlängert, sondern auch das Leiden der Betroffenen. Den Betroffenen anzusprechen ist zwar ein schwieriger Schritt und oftmals weiß man nicht richtig wie man vorgehen soll – die Suchtkrankenhelfer stehen dabei jedoch mit Rat und Tat gerne zur Verfügung und beraten Sie gerne – nichts zu tun ist auf jeden Fall falsch!
Am Nachmittag fand traditionsgemäß ein Vortrag für die Führungskräfte des ausrichtenden Bundeslandes statt, hier informierte Frau Sandra Zarges, über die Anwendung und den Umgang mit der landeseinheitlichen Dienstvereinbarung Sucht. Für die Tagungsteilnehmer aus den Ländern referierte Herr Fridolin Sandkühler in einem Vortrag über Mediensucht mit den neuen Schwerpunkten Online-Gaming und Online-Gambling.
Die folgenden Tage waren mit Workshops zu den Themen:
- Gesprächsführung
- Stressbewältigung und
- Impact-Methoden
und Vorträgen zum ‚Glückspiel‘, sowie ‚Psychische Störungen und Sucht’ ausgefüllt.
Sehr wertvoll, an dieser mehrtägigen Veranstaltung ist unter anderem, die Gelegenheit, Zeit für einen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Bundesländer zu schaffen.
Das Organisationsteam, bestehend aus den vier Stuttgarter Suchtkrankenhelfern, der Kollegin aus Mannheim, dem Kollegen der Bundespolizei und dem pensionierten Kollegen aus Stuttgart, erhielt viel Lob für die Ausrichtung der Tagung, für deren Gelingen im Vorfeld viele Hindernissen zu überwinden waren.
Am Ende der Fachtagung fand noch die Wahl des Vorstandes statt, der bisherige Vorsitzende, Dieter Senges aus dem Saarland, trat aus persönlichen Gründen nicht mehr zur Wahl an. Der neue Vorsitzende aus Thüringen heißt Thomas Scholz. In den Bundesvorstand wurden zudem noch Monika Hohm (Hessen), Susanne Klingler (Baden-Württemberg), Dr. Ursula Luding (Bundespolizei München), Cornelia Mann (Bundespolizei Berlin) – in Abwesenheit, Kerstin Weber (Sachsen) und als Kassenwart Robert Zaske (Saarland) als Mitglieder einstimmig gewählt.
Bei der Länderabfrage, die bereits am Sonntag erfolgte, stellte sich erneut heraus, dass Baden-Württemberg in Bezug auf die Suchtkrankenhilfe zwar gut aufgestellt ist, trotzdem gibt es auch bei uns noch viele Möglichkeiten, wie die Arbeit der nebenamtlich tätigen Polizeibeamten und Angestellten durch Kollegen, Vorgesetzte, Personalabteilungen oder auch Ärzte verbessert und unterstützt werden kann.
Auch sind wir noch eines der sehr wenigen Bundesländer, neben Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, die keine hauptamtlichen Suchtkrankenhelfer im Amt haben.
Der neue Bundesvorstand:
von links nach rechts: Monika Hohm, Dr. Ursula Luding, Susanne Klingler, Thomas Scholz, Kerstin Weber
hinten: Robert Zaske auf dem Bild fehlt: Cornelia Mann